Spielen
Ausprobieren ohne den Druck, dass es gelingen muss. Wie eine Bleistiftskizze, die man wieder wegradieren darf. In diesem druckfreien Raum entstehen Annahmen, die sich prüfen lassen.
Ein Arbeitsmodell für Schule, Hochschule und Organisation
Zauberkunst ist die einzige Kunstform, die Staunen zuverlässig, sofort und überall erzeugt. Genau in diesem Moment lernt das Gehirn. Ich nutze ihn, um wissenschaftliches Denken erfahrbar zu machen: im Klassenzimmer, im Hörsaal, im Besprechungsraum.
Spielen, Staunen und Erkennen für ein besseres Bild von der Welt.Scientia et Magia · Ludendo, mirando et inveniendo
Was Wissenschaft und Zauberkunst ausmacht
Unser Gehirn ist keine Kamera. Es ist eine Vorhersagemaschine, die ununterbrochen modelliert, was als Nächstes passiert. Meistens stimmt die Vorhersage, und wir merken nichts davon. Der eigentliche Lernschritt findet statt, wenn sie nicht stimmt: wenn eine Erfahrung mit unserer Annahme kollidiert. Diese Lücke zwischen Erwartung und Wirklichkeit nennen wir Staunen.
Ein Zauberkünstler erzeugt genau das. Er nimmt unsere Annahmen über die Welt, oft die ganz harten, physikalischen, und scheint sie zu brechen. Ein Ball verschwindet, eine Karte verwandelt sich, ein Ring schwingt, ohne dass die Hand sich bewegt. Das ist keine Täuschung um der Täuschung willen, sondern kontrollierte Irritation: ein Werkzeug, um festgefahrene Annahmen aufzuweichen und kognitive Flexibilität zu trainieren.
Das Staunen-Paradox beschreibt, warum das mehr ist als ein hübscher Einstieg: Wissen ohne Staunen verstärkt Polarisierung. Wissen, das durch Staunen erworben wird, öffnet. Der Unterschied liegt nicht im Inhalt, sondern im emotionalen Rahmen, in dem er erlebt wird.
„Wir lehren Teilnehmende nicht über kognitive Verzerrungen. Wir lassen sie diese am eigenen Leib erfahren.“Grundphilosophie des Formats
„Es ist der Fehler unserer Wissenschaft, dass sie alles erklären will. Und wenn sie es nicht erklären kann, sagt sie, es gebe nichts zu erklären.“Abraham Van Helsing, in: Bram Stoker, Dracula (1897)
Ausprobieren ohne den Druck, dass es gelingen muss. Wie eine Bleistiftskizze, die man wieder wegradieren darf. In diesem druckfreien Raum entstehen Annahmen, die sich prüfen lassen.
Der Moment, in dem etwas anders kommt als gedacht. Das Gehirn verteidigt nicht, es lernt. Deshalb gilt nach jedem Effekt die 10-Sekunden-Regel: schweigen, bevor irgendjemand erklärt.
Wir passen unser Bild von der Welt an das an, was wir erlebt haben. Beobachtung und Erklärung werden getrennt, Hypothesen formuliert, geprüft, verworfen. Das ist die Grundbewegung der Wissenschaft.
Warum ausgerechnet Zauberkunst
Wissenschaft und Zauberkunst ist eine konkrete Ausprägung des STEAM-Gedankens: Kunst gehört in die Wissenschaft. Die Zauberkunst wird dabei nicht als beliebige Kunstform eingesetzt, sondern weil sie fünf Eigenschaften in einer Kombination besitzt, die Musik, Theater oder bildende Kunst so nicht bieten.
| Merkmal der Zauberkunst | Didaktischer Vorteil |
|---|---|
| Perzeptueller Widerspruch | Erzeugt unmittelbar einen Vorhersagefehler, den passive Kunstrezeption nicht erzeugt. |
| Aktive Hypothesenbildung | Das Publikum sucht reflexartig nach Erklärungen. Der Wissenschaftsprozess läuft als Spontanreaktion ab. |
| Inhärenter MINT-Bezug | Physik, Mathematik und Psychologie sind die Grundlagen der Technik. Keine Analogie, sondern direkte Verbindung. |
| Skalierbarkeit | Ein einzelner Trick genügt. Keine musikalische Ausbildung, kein Atelier, kein Sonderaufbau nötig. |
| Soziale Wirkung | Staunen ist ansteckend und kollektiv. Es erzeugt sofort eine gemeinsame Erfahrungsgrundlage im Raum. |
Noch nie war so viel Wissen so leicht verfügbar. Und doch wächst das Misstrauen gegenüber Wissenschaft, sinkt das Interesse an MINT-Berufen und spaltet sich die Gesellschaft. Diese Krisen entstehen nicht trotz vorhandenen Wissens, sondern parallel zu ihm. Was fehlt, ist eine epistemische Emotion: ein Verhältnis zur Wirklichkeit, das Offenheit erzeugt, bevor Abwehrmechanismen greifen.
Mehr Faktenwissen verringert die Polarisierung bei Streitthemen nicht, sondern verstärkt sie. Kompetenz wird zur Verteidigung der eigenen Gruppe eingesetzt.
Kein Kompetenzproblem, sondern ein Motivationsproblem. Was fehlt, ist die erlebte Erfahrung, dass Wissenschaft faszinierend, widersprüchlich und lebendig ist.
Zusammenhalt entsteht nicht durch geteiltes Wissen, sondern durch geteiltes Erleben: Momente, in denen Menschen gemeinsam staunen und gemeinsam etwas nicht wissen.
Was ich als Künstler und Wissenschaftler anbiete
Jedes Format folgt demselben Dreiklang, aber mit unterschiedlichem Ziel: Für Schülerinnen und Schüler ist es der Einstieg ins wissenschaftliche Denken, für Lehrkräfte die Werkstatt, für Teams die Entscheidungshygiene, für alle das Staunen. Alle Formate lassen sich in Dauer und Tiefe an den Anlass anpassen.
Ein Vortrag mit Vorführungen: Was haben ein verschwindender Ball und das Verständnis von Wahrscheinlichkeiten gemeinsam? Anhand von drei Beispielen (Gewicht und Physik, Spiel und Wahrscheinlichkeit, Wahrnehmung und Erwartung) wird gezeigt, wie Staunen den Lernkreislauf beschleunigt.
Zauberkunst, die Geschichten erzählt: vom Alchemisten Newton, von der Münze, die frei gewählt und doch vorherbestimmt ist, vom Ring, der schwingt, ohne dass sich die Hand bewegt. Ein Programm, das unterhält und nebenbei zeigt, wie wir uns ein Bild von der Welt machen.
Ein Trick, zehn Sekunden Stille, dann zwei Spalten an der Tafel: „Was ich gesehen habe“ und „Meine Erklärung“. Die Klasse lernt, Beobachtung und Hypothese zu trennen, und verbindet das Erlebte mit dem Lerninhalt des Tages. Als Gastformat oder als Einheit, die Lehrkräfte selbst übernehmen.
Ein kontrollierter Vorhersagefehler, dann die Frage: „Was haben Sie gerade gesehen, nicht gedacht?“ Teilnehmende benennen kognitive Verzerrungen aus ihrem Berufsalltag und formulieren eine konkrete Strategie für die nächste Entscheidung. Mit Begleitheft.
Nicht Tricks vorführen, sondern Lerninhalte inszenieren. Lehrkräfte analysieren Effekte (De-Konstruktion), ordnen sie Fach und Jahrgangsstufe zu (Kontextualisierung) und schreiben das Skript auf Fachbegriffe um (Storytelling). Ergebnis: eine eigene fünfminütige Unterrichtssequenz pro Person. Niemand muss zaubern können.
Sieben Module von der Eröffnung bis zum Follow-up: Wahrnehmung versus Realität, Kontrolle und ihre Illusion, Pattern Interrupt, Entscheidungsarchitektur. Das Team erlebt Noise, Anker- und Reihenfolge-Effekte am eigenen Meeting und leitet daraus Regeln ab: erst schätzen, dann reden. Mit anonymer Kartenabstimmung per Kamera.
Die Inhalte der Formate entstehen gerade als Kursmaterial: der Dreiklang zum Selbstlernen, das Begleitheft „Wie wir uns ein besseres Bild von der Welt machen“, das Schüler-Booklet mit Effekten, die mit Papier und Münze funktionieren. Zum Shop-Vorabblick →
Künstler und Wissenschaftler
Prof. Dr. Markus Pfeil
Wenn ich erzähle, dass ich zaubere und Wissenschaftler bin, ernte ich meistens ein Stirnrunzeln. Passt das zusammen? Ich glaube: Es passt nicht nur zusammen, es gehört zusammen. Über den größten Teil ihrer Geschichte waren Wissenschaft und Magie dieselbe Tätigkeit, angetrieben von demselben Motor: dem Staunen über eine unverstandene Welt und dem Willen, sie zu begreifen. Newton war Alchemist. Die Trennung ist jünger als das Teleskop.
Als Physiker und Hochschullehrer beschäftigt mich, warum Wissen allein nicht trägt. Als Zauberkünstler weiß ich, wie man den Moment erzeugt, in dem ein Mensch wirklich offen ist. Wissenschaft und Zauberkunst bringt beides zusammen: ein Format mit evidenzbasiertem Rahmen, praxiserprobten Abläufen und eigenen Begleitstudien, die messen, ob das Staunen tatsächlich bessere Hypothesen hervorbringt.
Der Trick bleibt geheim. Das Prinzip wird offengelegt. Genau diese Grenze, Boundary Work genannt, ist Teil der Methode.
Häufig gestellte Fragen
Ein Arbeitsmodell, das Zauberkunst als Werkzeug für wissenschaftliches Denken nutzt. Ein Zaubertrick erzeugt einen Vorhersagefehler, das Staunen öffnet ein Lernfenster, und die anschließende Hypothesenbildung ist Wissenschaft in Reinform. Der Dreiklang lautet Spielen, Staunen, Erkennen.
Für Schulen ab Klasse 5, Hochschulen, Lehrkräfte in Fortbildung, Teams und Führungskräfte in Organisationen sowie Familien. Die Formate reichen von der 30-Minuten-Lehreinheit über Vorträge und Bühnenprogramme bis zum Tagesseminar.
Das Prinzip wird offengelegt, die Methode bleibt geheim. Die offene Frage „Wie kann das sein?“ hält das Lernfenster offen. Wer den Trick sofort auflöst, beendet die Erfahrung, bevor sie wirken kann. Dort, wo es didaktisch sinnvoll ist, etwa in der Lehrerfortbildung, wird der Mechanismus gemeinsam erarbeitet.
Nein. Lehrkräfte brauchen einen einzigen, sicher beherrschten Effekt und die Bereitschaft, zehn Sekunden Schweigen auszuhalten. Das Begleitmaterial enthält Effekte, die mit Papier und Münze funktionieren und keine motorischen Sonderfähigkeiten erfordern.
Der Zugang über Staunen ist genau dann wirksam und integer, wenn er der gemeinsamen Erkenntnis dient, nicht der verdeckten Steuerung. Deshalb gehört zum Format die Aufklärung: Der Mechanismus wird am Ende geteilt, nicht ausgenutzt. Bei Erwachsenen wird der epistemische Zweck vorab klar angesagt.
Auf Befunden aus Kognitionswissenschaft, Verhaltensökonomie und Organisationspsychologie, unter anderem zu Predictive Processing, epistemischen Emotionen, Staunen und Awe, Confirmation Bias, Noise und psychologischer Sicherheit. Grundlage ist ein umfangreiches, laufend erweitertes Fortbildungsscript mit eigenen Begleitstudien. Mehr dazu auf der Hintergrund-Seite.
Kontakt und Anfrage
Schreiben Sie mir kurz, worum es geht: Anlass, Zielgruppe, ungefähre Personenzahl und Wunschtermin. Ich melde mich mit einem Vorschlag, welches Format passt.
Prof. Dr. Markus Pfeil · m.o.pfeil@gmail.com
Telefon: +49 1512 7575725